Amateurfunk Seite von DJ7RI

Zeichnung

Die Station meiner Träume? siehe Zeichnung. Hier begann jedenfalls mein Amateurfunk-Leben. Ich war damals 14 Jahre.

Seit dem 28.Dez 1961 habe ich die Amateurfunklizenz mit dem Rufzeichen DJ7RI. Ich bin Mitglied im DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club), in der AGAF (Arbeitsgemeinschaft Amateurfunkfernsehen) und in der IGAF in SH (Interessengemeinschaft Amateur Fernsehen in Schleswig-Holstein, im Oktober 2017 aufgelöst). ATV (Amateurfunk-Fernsehen) sowie CW auf KW sind seit 2016 meine Hauptbetriebsarten.

Die Jubiläums Qsl für 25 Jahre Amateurfunk dl2zz xyl Heidi und 30 Jahre dj7ri

qsl

Erster Kontakt zum Amateurfunk

Ferien, endlich Sommerferien. Mit einer langen Radtour von Kiel bis in die Lüneburger Heide begann die aufregende Zeit als Funkamateur. Zunächst aber erreichte ich schwitzend und dürstend mein Ziel. Der Muckefuk, beliebter Aufgusskaffee­ersatz der 50er Jahre in meiner Thermoskanne, hatte sich mit der beigemischten Milch, den sommerlichen Temperaturen und dem Schütteln auf dem Fahrrad nicht vertragen. Er war unge­nießbar und weit und breit keine Gaststätte in Sicht. Ich musste die wenigen Kilometer auch so schaffen. Meine Oma lebte in Neu-Rippdorf, ein kleines Dorf mit Vorortcharakter in der Nähe von Uelzen. Hier hatte meine Familie, während der letzten Kriegsjahre, ausgebombt in Berlin, in der Nachkriegszeit Unterschlupf gefunden. Als Erstklässler hat mich nach dem Umzug von Rippdorf nach Uelzen schon früh der Inhalt von Mülltonnen interessiert. Auf dem Weg von der Schule stand die spannendste Tonne vor der Tür eines Elektroladens mit allerlei Drähten und anderen elektrischen Teilen. Auch die Endstation des technischen Inhaltes der Tonnen auf einem nahe gele­genem Mülldepot erregte immer wieder meine Neugierde. Doch das ist schon einige Jahre her.

Im Sommer 1957, wir waren 1952 nach Kiel umgezogen, sollte ich einen Teil meiner Schulferien in Rippdorf in der Nähe von Uelzen verbringen. Meine Omi lebte dort und freute sich auf meinen Besuch.

Nach einiger Zeit stellte sich trotz vorsichtigen Flirts mit den Mädchen des Dorfes und trotz herrlichem Sommerwetter Lange­weile ein. Es war ein Platz ohne Disco und Fußgänger­zone. Alles schien mir zu der Zeit etwas verloren und verlassen, denn schließlich waren auch noch Ferien. Ob ein Amateur­funker, gar nicht weit von mir, die Langeweile würde vertreiben können? Mein Vater gab mir diesen Tipp in einem seiner Briefe nachdem ich ihm von unausgefüllten Tagen berichtet hatte. Also, allen Mut zusammengenommen, an der Tür geläutet und höflich vorgestellt: „Ich bin Jürgen und zu Besuch bei meiner Oma und habe viel Langeweile. Das Amateurfunken könnte mich vielleicht interessieren, darf ich mal dabei zuschauen?“ Die Tage vergingen.

Die Station von Gerd, oben der Sender, links unten der Radione Empfänger siehe Zeichnung oben. Wieder einmal stand Omi spät abends schimpfend bei Gerd in der Tür. Sie hatte sich Sorgen gemacht. Ob ich immer noch bei dem Funker bin? Ob ich denn keine Uhrzeit mehr kenne und Sie doch Angst hätte es wäre was passiert. In der Tat, es war schon nach 22 Uhr und für einen Schuljungen wie mich längst Bettzeit. „Tschüß Gerd, vielen Dank das ich wieder dabei sein durfte“.

Der erste, flüchtige Besuch war einem Abo gewichen. Kein Tag verging ohne einen Besuch bei Gerd. Ich kannte nun schon einige Einzelheiten: Ein qso war eine Funkverbindung, die An­tenne von Gerd war 160m lang, der Radione war das Empfangsgerät und solange die Instrumente für den Gitter- und Anodenstrom im Takt der Morsetaste zappelten war Gerd auf Sendung. Dann hieß es still sein und keine Fragen stellen.

Als die Ferienzeit in Rippdorf zu Ende ging, hatte ich eine Bau­anleitung für einen 80m - Einkreisempfänger 0V1 in meinem Koffer. Damit wollte ich künftig selbst den Amateurfunk abhören. Eine Lizenz braucht man dafür nicht.

Zur Erklärung für die Laien unter euch sollte mein Empfänger aus einem Aluminium Blechchassis, ein paar Spulen, 2 Röhren und deren Beschaltung, also Drahtverbindungen und z.B. Widerstände und Kondensatoren bestehen.

An die Frontplatte gehören ein Abstimmknopf für die Frequenz, je ein Dreher für die Rückkopplung und Lautstärke, sowie zwei Bananenbuchsen für den Kopfhörer und der Netzschalter. Auf der Rückseite befinden sich der Antennen- und Erdanschluss, Sicherung und das Kabel für die Steckdose. Woher die Bana­nenbuchsen ihren Namen haben? Tut mir leid, ich weiß es nicht. Bananen passen jedenfalls nicht hinein.

Kaum war ich zu Hause angekommen, musste ich als Erstes zu einem Orthopäden. Nein, ich hatte keine Rückenschmerzen, bestimmt nicht. Doch nur von ihm konnte ich das nötige Alu­miniumblech bekommen, dass ich für mein Erstlingswerk be­nötigte. So etwas wie ein Baumarkt mit akzeptabler Blechaus­wahl für Bastler gab es damals nicht. Es war schon etwas mühselig das relativ harte Blech mit meinem kleinen Hand­bohrer und der Laubsäge zu bearbeiten bis daraus ein Empfängerchassis wurde. Über der Kante der Kellertreppe wurde ein Blech zu einem U vorn und hinten umgebogen. Wieso eigentlich Laubsäge? Wer zersägt schon Laub? Egal, auch die Auswahl an Bohrern war gering. Manchmal musste auch die Spitze einer Schere zum Aufweiten von Löchern her­halten. Dann gab`s Ärger, denn die gehörte Mutter. Anfangs isolierte ich auch Drähte zwischen den Vorderzähnen ab. Ge­wiss, eine nicht gerade gesunde Methode, aber ein Seiten­schneider biss immer gleich den ganzen Draht ab und ein spezielles Werkzeug zum Abisolieren war mir bis dahin unbe­kannt.

Die Bauteile erhielt ich von einem barschen aber trotzdem irgendwie freundlichen Mann im Rollstuhl hinter dem Ver­kaufstresen in einem kleinen Laden für Funkteile am Ort. Auch er war Funker wie ich später erfahren sollte.

Unter dem misstrauischen Blick meiner Mutter begann ich dann alles nach einem Schaltplan in der Küche am Gasherd zusammenzulöten. Nein, einen elektrischen Lötkolben hatte ich nicht. Ich kannte nur den Feuerlötkolben und den ziemlich groben Zinndraht des Klempners zusammen mit einer Schachtel voll Kolophonium. Erst wurde der Lötkolben in das Kolophonium gesteckt. Das qualmte mächtig. Es blieb ein wenig von dem flüssig gewordenen Material am Kolben hängen, das nun zusammen mit dem Zinn auf die Lötstelle gebracht wurde. Das war alles ganz einfach und nach ein paar Tagen waren alle Teile zusammengelötet. Dann der Einschaltmoment. Nichts, aber auch gar nichts tat sich, nicht einmal Qualm stieg auf.

Eigentlich schon ein Erfolg, denn sie waren nicht ganz unge­fährlich, diese ersten Experimente. Ich wusste, elektrischer Strom konnte sogar tödlich sein. Wenn man jedoch den trafo­losen, direkt am Netz betriebenen Empfänger richtig polte und gut mit Erde verband, dann sollte nichts Schlimmes passieren. Allerdings war dabei ein Phasenprüfer unverzichtbar. Die Röhren AF7 und AF3 wurden mit 200 Volt Hochspannung be­trieben. Schon darum musste man aufpassen.

Wenn mich nur jemand auf die wirkliche Gefahr hingewiesen hätte. So hantierte man relativ sorglos. Die Unachtsamkeit führte dann und wann zu diesem unangenehmen Schockgefühl eines elektrischen Schlages. Was war schon dabei und Gott Lob fehlte mir bislang danach nichts.

Einer Fehlersuche an meinem Neubau war ich seinerzeit nicht gewachsen, denn die Zusammenhänge eines Empfängers waren mir völlig unbekannt. Ich wusste nicht mehr weiter, Hilfe tat not. Der erste Besuch bei einem Funkamateur in meiner Heimat­stadt stand bevor. Mein Vater fand heraus wo ich hin musste. Herr Schirm, die Funkamateure sagten OM zu ihm (was soviel wie alter Mann heißt), empfing mich mit meinem Köfferchen in dem ich sorgsam meinen Empfänger transportierte. Seine Funkstation machte einen überwältigten Eindruck und der Funkschrank schien mir bis an die Decke zu gehen. Kurz war leider das Gespräch. Ich sollte mich an einen Funker wenden, der gerade seine Sendegenehmigung erhalten hatte. Er würde mir weiterhelfen, versprach mir Herr Schirm.

Bei Paul

Klein aber fein schienen mir die sorgsam in kleine Holzgehäuse montierten Chassis der Funkanlage von Paul. Auf einer Röhre war manchmal sogar ein kleines, grünes Trapez zu sehen. „Das ist für die Modulationskontrolle“ erklärte mir Paul.

Er schickte sich an meinen Selbstbau „zum Leben zu er­wecken“ und machte sich sofort darüber her. „Leider ist da nichts zu machen“ erklärte er mir nach ein paar Stunden Arbeit. „Neu aufbauen ist leichter als noch stundenlang zu nach dem Fehler zu suchen. Man muss alles neu zusammen­löten“ sagte er und begann gleich alles auseinander zu nehmen. Mir war dabei fast zum Weinen zumute. Nur zwei Tage brauchte er für den Neubau wozu ich zwei Wochen be­nötigt hatte. Die Enttäuschung und Verwunderung war groß. Auch sein Aufbau führt nicht zur gewünschten Funktion. Ab­solute Stille im 2000-Ohm-Hörer. Für eine neue Fehlersuche fehlte Paul die Zeit. Ich war tief enttäuscht. Wie war das Problem zu lösen? „Das macht nichts“ meinte Paul, „sei nicht traurig, du bekommst meinen Einkreiser für 15 Mark. Aber du musst aufpassen, es ist ein Allströmer ohne Trafo und direkt am Stromnetz“. Diese Eigenart war mir inzwischen schon be­kannt, die damit verbundene Lebensgefahr aber nicht.

Doch woher 15 Mark hernehmen, das war viel zu viel Geld für mein Schülersparschwein. Schon 5 Monate waren seit dem Erstkontakt in Rippdorf ohne ein Erfolgserlebnis vergangen.

Am Weihnachtsabend hatte mein Vater eine große Über­raschung parat. Pauls 0V1, der Einkreisempfänger für das 80m-Band mit der so toll professionell lackierten grauen Front­platte und dem überdimensionalen, großen Einstellknopf für die Frequenzeinstellung sowie 40 m Antennendraht mit Isola­toren, Bananenstecker und ein Isolierrohr als Fensterdurch­führung lagen auf dem Gabentisch. Sogar ein Erdschalter war dabei. Endlich konnte ich die Gespräche der Funker mit meinem eigenen Gerät abhören.

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Weihnachten 1957 mit dem 0V1 von Paul

Hier findet mein Rundgang durch mein/das Amateurfunkleben zunächst ein Ende. Du lieber Leser wirst als Funkamateur manches aus eigener Erfahrung nachvollziehen können oder hast gaaaa..nz andere Erfahrungen gemacht. Hast du das erste Mal mit diesem Hobby Kontakt bekommen, gibt es zwei Mög­lichkeiten: Du machst einen großen Bogen um Funkamateure oder... wirst auch einer. Probier es doch mal. Wie sagt man so schön? Der Appetit kommt beim Essen.

Mein Vater und meine Frau Heidi ließen sich von meiner Begeisterung anstecken, da ich ehrenamtlich die Grundlagen für die Erlangung einer Amateurfunk-Lizenz in Kursen in den Ortsverbänden M06 und M25 des DARC (Deutscher Amateur Radio Club) vermittelte. Vater und meine Frau Heidi konnten erfolgreich die Prüfung bestehen. Mein Vater war dann unter dem Rufzeichen DK1ZG aktiv, meine Heidi mit DL2ZZ.

Vater DK1ZG (links), Frau Heidi DL2ZZ bei DJ8DW (1969) (rechts)

dl2zz/P an der Wupper 1969 Camping im Urlaub (links), auf dem Lilientaler Berg (nähe Kiel) (rechts)

Heidi, dl2zz, beim Basteln (links), dj7ri im alten Bodenzimmer an der 70cm AM ATV Station (rechts)

P.S. Eine Fortsetzung der dir hier vorliegenden Schreiberei ist durchaus möglich. Kommt darauf an, ob der Herrgott mir für Geschichten und deren Berichterstattung Zeit und Möglichkeit lässt und ob es den geneigten Lesern gefallen hat.

Meiner lieben (x)yl Heidi, meiner Familie, meinen Funkpartnern und auch möglicherweise anderen mir unbekannten Opfern des Amateurfunks sage ich DANKE, dass sie mich bis heute ertragen haben.

vy 88, 176 (2x88 ;) ) usw. an meine liebe Frau Heidi dl2zz (verstorben 02.04.2015), allen Anderen vy 55 und 73 Jürgen, dj7ri

Erklärung: 88 = Liebe und Küsse, 55 = Erfolg, 73 = Grüße

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